Das Dilemma der deutschen Rindfleischerzeuger

Dank Transportmöglichkeiten, von denen die Menschen in den 1950er Jahren nicht zu träumen wagten, landet jetzt das international erzeugte Rindfleisch auf den deutschen Verbrauchertellern — und das, was wir als deutsches Rindfleisch kennen, kann mit der internationalen Fleischqualität nicht mithalten.

Aber warum?

In Deutschland setzte man bei der Rinderzucht seit jeher auf Zweinutzungsrassen. Deshalb wurden hierzulande Rinderrassen gezüchtet, die die Milchleistung der weiblichen Tiere in den Vordergrund stellen. Die Fleischgewinnung wird erst nachgelagert berücksichtigt.

Dies führte vor allem ab den 1950er Jahren dazu, dass das Jungbullenfleisch der männlichen Tiere auf den Tellern der Verbraucher landete. Zu dieser Zeit war es wichtig den „Fleischhunger“ der Verbraucher zu stillen – und so nahm man den Nachteil dieser Züchtungsmethode in kauf: Solche Tiere wurden meist angebunden oder in engen Ställen gehalten – mit dem Ziel einer schnellen Gewichtszunahme und Mast, um günstiges und somit verbraucherfreundliches Fleisch zu erzeugen. Unter diesen schlechten Haltebedingungen litt nicht nur das Tier, sondern auch die Fleischqualität.

Einen ganz anderer Weg wurde in Ländern wie Argentinien, Brasilien, Australien den USA oder auch Irland eingeschlagen. Dort wurde der Gedanke der Zweinutzungsmöglichkeit einer Rasse verworfen – in den unendlichen Weiten dieser Gebiete war es nur schwer möglich Tiere zur Milchgewinnung zu halten.

Haben Sie in irgendeinem Western schon einmal einen melkenden Cowboy gesehen?

Durch die ausgedehnten Weidemöglichkeiten wurden Fleischrinderrassen, wie Angus, Black Angus, Charolais, Hochlandrinder oder unzählig andere Rassen kultiviert. Diese Fleischrinderrassen haben eine viel feinere und sanftere Fleischstruktur als unsere deutschen Zweinutzungsrassen.

Aber: Kann nicht auch unsere heimische Rinderrasse für den Fleischliebhaber hochwertiges Rindfleisch in vergleichbarer Qualität liefern?

Nach drei Metzgergenerationen Erfahrung und fast 20 Jahren als Betreiber des Regionalen Schlachtbetriebes Lauf an der Pegnitz können wir guten Gewissens sagen:

Ja, das kann sie. Es gibt regionale, bäuerliche Betriebe, die sich der Problematik einer qualitativ hochwertigen Rindfleischerzeugung mit der heimischen Rasse stellen – und die Lösung gefunden haben.

Bei unserer Suche sind wir vor einiger Zeit auf den Hof der Familie Seitz in Hubmersberg gestossen – und beziehen unsere Rinder seither aus tiefster Überzeugung ausschließlich von diesem Hof.